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Abfallentsorgungsanlage: Deponie "Am Breitenberg"

Postanschrift: Deponie "Am Breitenberg" in 37290 Meißner-Weidenhausen
Öffnungszeiten: Mo - Fr 07.00 bis 16.00 Uhr und Samstag 08.00 bis 11.00 Uhr

Telefon:(0 56 57) 91 95 30
Fax: (0 56 57) 91 95 3-20
Eigentümer: Werra-Meißner-Kreis
Betreiber: Firma Fehr Umwelt Hessen

Übersicht über die Deponie: 
 

Geschichte
Mit Inkrafttreten des Hess. Abfallgesetzes vom 21.12.1971 wurden den Landkreisen erstmalig Aufgaben der Abfallwirtschaft zugewiesen. Darunter fiel auch der Betrieb von Abfallbeseitigungsanlagen. Nach Abwägung aller Planungsvarianten für den Betrieb einer zentralen Hausmülldeponie wurde der Standort Weidenhausen präferiert.
Für ihn sprachen die zentrale Lage und günstige geologische Verhältnisse. Der Kreisausschuss beschloss im März 1975 die gemeindeeigene Deponie "Am Breitenberg" ab dem 01.04.1975 zunächst als Übergangsdeponie zu übernehmen. Mit Schreiben vom 30.04.1981 wurde das Planfeststellungsverfahren beim Regierungspräsidium in Kassel eingeleitet. Der Planfeststellungsbeschluss über die Erweiterung der bestehenden Abfallentsorgungsanlage "Am Breitenberg" erging am 09.12.1987. Am 01.06.05 endete die Einbauphase für unbehandelte Abfälle aufgrund gesetzlicher Vorgaben. Auf dem Deponiegelände ist termingerecht eine Umladestation für Restmüll entstanden. Der Eingangsbereich kann allerdings wie bisher bequem von Anlieferern zu den üblichen Öffnungszeiten genutzt werden. Der Restmüll wird aber nicht mehr deponiert, sondern in der Mechanischen Abfallaufbereitungsanlage der B+F Umwelt GmbH zu Ersatzbrennstoff  verarbeitet und als Sekundärbrennstoff genutzt.

Größe & technische Ausstattung der Deponie "Am Breitenberg"
Das Deponiegelände umfasst 20 ha. Die bereits verfüllte Altdeponie der Gemeinde Meißner nimmt davon 9 ha ein. Beim Ausbau aller Erweiterungsabschnitte (EWA) hätten nochmals 11 ha zur Verfügung gestanden. EWA I (2,3 ha) und II (2.6 ha) sind bereits verfüllt und werden derzeit für die Rekultivierung vorbereitet. Auf den Ausbau der EWA III und IV wurde aus Kostengesichtspunkten verzichtet.

Ausbau
Seit 1975 wurden vom Werra-Meißner-Kreis umfangreiche Investitionen getätigt. Für den Ausbau der Deponie nach Stand der Technik wurden insgesamt ca. 35 Millionen Euro verausgabt.
Beispielhaft werden folgende Baumaßnahmen dargestellt:
Die Erweiterungsabschnitte I und II wurden mit einer doppelten Basisabdichtung versehen (Kosten ca. 10 Mio. Euro incl. Ingenieurkosten und Fremdüberwachung). Der Altteil wurde mit einer 0,60 m dicken mineralischen Abdichtung gegen eindringendes Niederschlagswasser versehen (Kosten ca. 5 Mio. Euro) und die Böschung neu profiliert.
Im Altteil wurde eine Gasfassung sowie eine Hochtemperaturfackel installiert (Kosten ca. 0,5 Mio. Euro). Die Oberflächenentwässerung konnte durch den Bau von Hanggräben, Kanälen und Kaskaden verbessert werden (Kosten ca. 0,5 Mio. Euro).
Nachdem die Verlegung des Eingangsbereichs erfolgte, konnte der Bau eines Betriebsgebäudes ausgeschrieben werden. Die Arbeiten endeten im Jahr 1991 (Kosten ca. 1 Mio. Euro). Gleichzeitig wurde der Eingangsbereich neu gestaltet und mit einer Tankanlage sowie einer Waage versehen (Kosten ca. 1,5 Mio. Euro).
Am 14. Mai 1993 trat die Technische Anleitung zur Verwertung, Behandlung und sonstigen Entsorgung von Siedlungsabfällen (TASi) in Kraft. Unter dem Punkt 11. sind die Anforderungen an Altanlagen (Altdeponien) angeführt. Die TASi legt fest, dass für Altdeponien Nachrüstprogramme aufzustellen sind.
Folgende technische Ausstattung war im Frühjahr 1993 auf der Deponie "Am Breitenberg" vorhanden:

  • Altteil Nord- und Ostböschung oberflächenabgedichtet, Süd- und Westböschung entlang des Sickerwasserbalkens und Plateau mit einer Zwischenabdichtung versehen. Nordteil des Plateaus wird verfüllt. Entgasungsanlage für den Altteil ist fertiggestellt. Gas wird über eine Hochtemperaturfackel entsorgt.

  • EWA I Kombinationsbasisabdichtung entsprechend dem Stand der Techn, 1988.

  • EWA II Im Bau mit Kombinationsbasisabdichtung Stand der Technik, 1992.

  • Eingang Eingangsbereich mit Waage und Betriebsgebäude fertiggestellt.

Folgende Inhalte enthielt das Nachrüstungsprogramm:

  • die Basisabdichtung weiterer EWA

  • die Oberflächenabdichtung der Gesamtdeponie

  • die Planung der Entgasung der Gesamtdeponie

Sickerwasserreinigung
Die Reinigung des Sickerwassers wurde den stetig wachsenden wasserrechtlichen Anforderungen angepasst. Das Sickerwasser aus dem Deponiekörper wurde ab 1985 in der Kläranlage Eschwege gereinigt. Ungefähr ein Jahr lang wurde es täglich per Unimog dorthin transportiert. Ab März 1986 wurde das Sickerwasser durch eine Rohrleitung der Kläranlage Eschwege zugeführt.
Kommunale Kläranlagen können heute die gestiegenen Anforderungen an die Reinigungsleistung von Deponiesickerwässern nicht mehr gewährleisten. Der Kreisausschuss hat gesetzliche Vorgaben und die nicht mehr umweltgerechte Reinigung des Sickerwassers zum Anlass genommen und für 9 Mio. Euro einen Anlagenverbund realisiert, der sowohl höchste Ansprüche der Abwasserreinigung als auch fortschrittlicher Deponiegasnutzung vereint.
Die Planung wurde 1992 begonnen. Die Bauphase begann 1993. Nach knapp zweijähriger Bauzeit wurde der Anlagenkomplex von 24 Firmen fertiggestellt. Die Sickerwasserreinigungsanlage ist für einen Rohsickerwasserdurchsatz von ca. 65 cbm pro Tag konzipiert.

Technik
Die Anlage verfügt über eine biologische sowie eine physikalische Reinigungsstufe. Zunächst wird das Sickerwasser der biologischen Stufe zugeführt. Bei der Nitrifikation erfolgt durch sauerstoffzehrende Bakterien die Oxidation von Ammoniak zu Nitrat. In der Denitrifikation wandeln Bakterien ohne Sauerstoff unter Zugabe von Essigsäure Nitrat zur Stickstoff um. Der Stickstoff wird über einen Biofilter an die Außenluft abgegeben. Die Hälfte der im Sickerwasser vorhandenen Verschmutzungen können in der biologischen Stufe abgebaut werden.
Nachfolgend wird der Bakterienschlamm über einen Filter, die Ultrafiltration, vom Sickerwasser getrennt. Der Belebtschlamm wird in die Biologie zurückgeführt.
Nach der Ultrafiltration wird das vorgereinigte Wasser in die außerhalb des Gebäudes stehenden Zwischenspeicher gepumpt. Die beiden Speicher bieten eine Kapazität von je 170 cbm. Die Reinigung der mechanischen Stufe folgt durch doppelte Umkehrosmose. Dabei werden mit einer halbdurchlässigen Membran die Schadstoffe herausgefiltert. Nur die winzigen Wassermoleküle können die Poren passieren. Schadstoffe bleiben vor der Membran zurück.
Das so gereinigte Wasser entspricht den Vorgaben der Trinkwasserverordnung und kann direkt in die Werra eingeleitet werden. Als zusätzliche Sicherheit wird das Reinwasser zunächst in die beiden Ablaufspeicherbecken gepumpt. Nach einer weiteren Beprobung erfolgt die Ableitung über eine Rohrleitung in die Werra.

Durch die Umkehrosmose werden Schadstoffe, hauptsächlich Salze, zurückgehalten. Dieses Konzentrat wird in einem 100 cbm großen Trocknungsbehälter geleitet. Die Trocknung erfolgt an der heißen Wand des Behälters. Dabei entstehen pro Liter je 6 g rieselfähiges Schadstoffgranulat. Das Granulat fällt in sogenannte wetterfeste "bigbags". Die gefüllten Bigbags werden im Untertageversatz zur Verfüllung und Stabilisierung  ehemaliger Stollen von Bergwerken verwertet. Reinigungsanlage ist modulartig aufgebaut, so das nicht zwangsläufig alle Aggregate durchlaufen werden müssen. Schwach belastetes Wasser passiert zum Beispiel nur eine der beiden Umkehrosmosestufen. Die Anlage wird von drei Mitarbeitern ganztags betreut. Die technische Ausstattung der Überwachungszentrale (Mosaikfließbild und EDV-Anlage) erleichtert den Mitarbeitern die Arbeit. Das Fließbild veranschaulicht die zum optimalen Betrieb der Anlage erforderlichen Parameter, wie zum Beispiel Temperatur, ph-Wert und Durchflussmenge. Bei eventuell auftretenden Störungen können diese leicht vom Betriebspersonal erkannt und schnell behoben werden. Die moderne Datenübermittlung macht eine 24-Stunden-Überwachung möglich, ohne dass das Personal ständig anwesend sein muss.
Laut Eigenkontrollverordnung sind tägliche Kontrollen der Reinigungsleistung vorzunehmen. Dafür ist ein eigenes Labor vorhanden. Die Anlage ist nun schon seit über 10 Jahren in Betrieb. Sie erfüllt die Reinigungsvorgaben zur vollen Zufriedenheit der Überwachungsbehörde (Staatl. Umweltamt Bad Hersfeld).
Streng getrennt vom Sickerwasser wird das unbelastete Oberflächenwasser aus dem Einzugsbereich der Deponie über Gräben und Kaskaden in Richtung Werra abgeleitet. Der Einleitung vorgeschaltet ist ein Regenrückhaltebecken an der B 27. Dieses bewirkt ein Absetzen von bei Starkregen mitgeführten Bodenpartikeln. Oberflächenwasser und gereinigtes Sickerwasser gelangen gemeinsam in die Werra.

Blockheizkraftwerk
Bakterien im Abfall produzieren ungefähr 200 cbm Deponiegas in der Stunde, dass zu ca. 50 % aus Methan besteht. Bis 1995 wurde das Gas bei 1.200 Grad verbrannt. Nun wurde eine umweltgerechtere Lösung verwirklicht.
Seit Frühjahr 1995 erfolgt die Einspeisung in ein Blockheizkraftwerk. Innerhalb des Blockheizkraftwerkes ist ein Magermisch-Gas-Otto-Motor installiert, der pro Stunde 490 Kilowatt elektrische Energie und 700 Kilowatt Wärme erzeugt. Energie und Wärme werden für den Betrieb der Reinigungsanlage genutzt. Energie-Überschüsse werden in das öffentliche Stromnetz eingespeist.
Laut dem Hessischen Ausführungsgesetz zum KrW-/AbfG (§ 22) sind die Betreiber von Abfallentsorgungsanlagen zu regelmäßigen Untersuchungen der von der Anlage ausgehenden Emissionen und Immissionen im Einwirkungsbereich verpflichtet. Die Verwaltungsvorschrift zur Eigenkontrolle von oberirdischen Deponien vom März 1992 legt im Anhang Art und Häufigkeit der erforderlichen Messungen sowie Untersuchungen fest. Es müssen beispielsweise meteorologische Daten erfasst, Sickerwasser- und Grundwasser- sowie Oberflächenwasserproben entnommen, Rohgas- und Abgasuntersuchungen durchgeführt werden. Die Ergebnisse sind im sogenannten Eigenkontrollbericht zusammengefasst. Er wird jährlich seit 1993 für einen Monat zur Einsichtnahme in den Räumlichkeiten der Kreisverwaltung öffentlich ausgelegt.
Ansprechpartner Sickerwasserreinigung, Blockheizkraftwerk: Herr Rümke, Tel.: (0 56 57) 79 08 54.

Seit dem 01.07.2001 werden die "Gelben Säcke" zusammen mit denen aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg in einer modernen Anlage in Fulda sortiert. Jährlich werden über den "Gelben Sack" ca. 2.500 Mg Verpackungsabfälle aus dem Werra-Meißner-Kreis eingesammelt und sortiert. Der Störstoffgehalt in den Säcken beträgt ca. 20%.

Abfallmengenentwicklung seit 1994
Die nachfolgende Tabelle und Abbildung verdeutlicht die Abfallmengenentwicklung seit 1994. Dabei ist hervorzuheben, dass die Sperrmüllmengen konstant bleiben. Die Absenkung im Jahr 1996 geht auf die Einführung der Abholkarte im Zweckverbandsgebiet zurück. Lediglich die Stadt Eschwege hält zur Zeit noch an festen Sammelterminen fest.
Der Hausmüll wurde bis zum Jahr 2000 in gleichbleibenden Mengen angeliefert. Die Reduzierung im Jahr 1996 geht auf die flächendeckende Einführung der Biotonne zurück. Die Rückgänge ab dem Jahr 2001 stehen im Zusammenhang mit der Einführung des Identsystems im Zweckverbandsgebiet. Bei diesem System wird die Anzahl der Leerungen elektronisch registriert, die als Grundlage für die Müllgebühr dienen.
Die Gewerbeabfälle sind seit 1995 stark rückläufig. Hier spiegelt sich das Inkrafttreten des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (KrW/AbfG v. 27.09.1996) wider. Dieses unterscheidet zwischen Abfällen zur Beseitigung und zur Verwertung (§§ 4, 5). Danach müssen die Abfälle zur Verwertung aus den Bereichen Handel, Gewerbe und Industrie dem öffentlich rechtlichen Entsorgungsträger nicht mehr überlassen werden. Auch für Abfälle zur Beseitigung besteht beim Vorhandensein einer eigenen genehmigten Entsorgungsanlage keine Überlassungspflicht mehr.
Graphische Darstellung der im Werra-Meißner-Kreis zur Deponierung angelieferten Abfälle von 1994 bis 2004
Die Zuordnung von Abfällen zur Verwertung und zur Beseitigung fällt schwer. Das Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz bietet dem Abfallerzeuger unter § 3 keine konkrete Zuordnungsmöglichkeit der Abfälle. Es heißt dort lapidar: Abfälle zur Verwertung sind Abfälle die verwertet werden; Abfälle die nicht verwertet werden sind Abfälle zur Beseitigung. Auch die Art und Weise der Verwertung bzw. die Verwertungs- und Beseitigungspflicht wird im Gesetz recht offen aus Sicht des Abfallerzeugers formuliert.
Abfälle zur Beseitigung sind nach wie vor dem Entsorgungsträger im Entstehungsgebiet zu überlassen, d. h. der Deponie "Am Breitenberg" anzudienen.

Graphische Darstellung der im Werra-Meißner-Kreis zur Deponierung angelieferten Abfälle
von 1994 bis 2004